ÖKT-Forum „Wie viel Bildung schadet der Demokratie?“
Vom Präsidium des Zentralkomitees der Katholiken wurde das RPZ München in die Projektkommission „Ressourcen der Demokratie“ optiert. In drei Podien ging es um die Fragen: Sind Religion und Internet (nach dem Wahlkampf von Präsident Barak Obama in den USA) eine Ressource der Demokratie? Welche Rolle spielt die Bildung?
Die provokative Formulierung des dritten Podiums wollte das Augenmerk der ca. 4000 Besucher/innen in einer der großen Messehallen auf die die Themen Ökonomisierung von Bildung, Bildungsgerechtigkeit und die Rolle der Kirchen lenken. Dies gelang schon zu Beginn durch die wissenschaftliche Analyse der Übergangsphase junger Menschen aus der Schule in die Berufswelt von Dr. Frank Braun vom Deutschen Jugendinstitut (München). Mit Zahlen und Fakten belegte er auf dem Hintergrund inzwischen landläufiger Begriffe wie „ohne Schulabschluss“ und „mangelnde Ausbildungsreife“ machte er deutlich, dass Deutschland gegenwärtig weit von „Bildungsgerechtigkeit“ entfernt ist. Dadurch gehen der Gesellschaft wichtige Ressourcen für Wohlstand und friedliches Zusammenleben in der Demokratie verloren.
Felix Beck belegte anhand seiner Biographie, das die informelle Bildung in der Konfirmandenarbeit, in Jugendgruppen für sein Leben einen viel höheren Stellenwert gewann als die formale in den verschiedenen Schularten. Prof. Dr. Hartmut Rupp hob den Einsatz der Kirchen – nicht zuletzt in Förderschulen und Behinderteneinrichtungen – hervor und plädierte für das Compassion-Projekt. Er warb in diesem Rahmen für Sozialpraktika unter Begleitung von Lehrkräften, damit Persönlichkeiten heranwachsen, die sich für Demokratie und Gesellschaft, Kirche und Staat engagieren und solidarisch handeln lernen.
Den stärksten Eindruck hinterließ zweifellos Prof. Dr. Gesine Schwan. Sie erteilte auf der Basis des christlichen Menschenbildes einem von der Wirtschaft geförderten, aber einseitig auf „Brauchbarkeit“ zielendem Bildungssystem ebenso eine Absage wie der einseitigen Eliteförderung und dem Streben nach Exzellenz. Viel wichtiger sei nach Art. 2 der deutschen Verfassung die Ernstnahme des Grundrechts: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit …“. Ihre Forderung lautete – auch in einer sehr lebendigen Debatte mit dem Publikum (über Anwälte des Publikums): „Bildung und Gerechtigkeit! Talentförderung statt Elitenbildung!“

www.gesine-schwan.de/positionen/reden
DJI (Hg.): Hauptschüler/innen an der Schwelle zur Berufsausbildung: schulische Situation und schulische Förderung. DJI München 2010.